Archive for November 2007
« Dezember 2007 | Home | Oktober 2007 »

Freitag, November 30, 2007

» Neues aus der "Runden Ecke"

By Norman at 2:15 PM

"Stasi 2.0" lautet das Schlagwort, mit dem besonders kritische Gegner der aktuellen Sicherheitsgesetzgebung die Tendenz zu immer neuen staatlichen Eingriffen in die freiheitlichen Grundrechte kommentieren. Befindet sich das Land auf dem Weg in einen Überwachungsstaat? Dieser Frage wird die Veranstaltung zum Jahrestag der Stasi-Besetzung am 4. Dezember im Museum in der "Runden Ecke" nachgehen.

Zu Gast sind Experten, deren Meinungen kontroverser nicht sein könnten. Der Abend beginnt mit einem Vortrag von Prof. Josef Isensee, der ins Thema einführt. Es folgt eine Podiumsdiskussion mit Dr. Christoph Bergner, einem großen Befürworter der neuen Sicherheitspolitik, der am 09. November für das Telekommunikationsüberwachungs-Gesetz (TKÜ) stimmte. Den Gegenpol zu den Ansichten des Bundestagsabgeordneten und Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesministerium des Inneren wird der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes, Michael Konken, bilden. Er begreift das von Bergner befürwortete Gesetz, dessen zentraler Bestandteil die Vorratsdatenspeicherung ist, als schweren Schlag gegen den "seriösen investigativen Journalismus". Journalistinnen und Journalisten seien nun nicht mehr in der Lage, ihren Informanten lückenlosen Quellenschutz zu garantieren. Unterstützt wird Michael Konken vom sächsischen Datenschutzbeauftragten Andreas Schurig, denn für ihn stellt Datenschutz "die Lehre der Begrenzung der Neugier des Staates" dar, und dient somit der Sicherung der "privaten Freiheitssphäre des Einzelnen". Ebenfalls ein Kritiker der neuen Gesetze ist Prof. Kasten Rudolph, Innenpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen. Er wirft dem Bundesinnenminister vor, sich immer mehr von einer rechtsstaatlichen Terrorabwehr zu entfernen und setzt dagegen: "Der freiheitliche Rechtsstaat hat seine Prinzipien zu wahren. Das ist und bleibt das erste Gebot für eine erfolgreiche Abwehr von Extremismus und Terrorismus.

4. DEZEMBER 2007, 19.30 UHR

VERANSTALTUNG ZUM JAHRESTAG DER BESETZUNG DER LEIPZIGER STASI-ZENTRALE

FREIHEIT ODER SICHERHEIT ? IST DEUTSCHLAND AUF DEM WEG IN DEN

ÜBERWACHUNGSSTAAT?

Freiheit oder Sicherheit - werden das die großen Gegensätze sein, die das 21. Jahrhundert prägen? Unstrittig ist, dass eines auf Kosten des anderen geht - größtmögliche Freiheit und größtmögliche Sicherheit also nicht gleichzeitig zu haben sind. Doch welches der beiden so elementaren Güter Vorrang hat und welches zurückstehen muss, an dieser Frage scheiden sich in der aktuellen Debatte die Geister.

Mautdatenerfassung, Onlineüberwachung, Vorratsdatenspeicherung und digitaler Fingerabdruck im Reisepass sind nur einige der Schlagworte, die die heutige Zeit verstärkt prägen. Die Meinungen der Bürger zu diesen Maßnahmen könnten differenzierter nicht sein. Während die einen in erster Linie ihre persönliche Sicherheit wachsen sehen, fürchten andere bereits einen neuen Überwachungsstaat.

Spätestens mit dem Einsatz von Geruchskonserven zur Absicherung des G8-Gipfels im Sommer dieses Jahres wurden Bezüge zu den Überwachungsmethoden der Staatssicherheit hergestellt. Die DDR-Geheimpolizei hatte, allerdings präventiv, Geruchsspeicher angelegt, um vermeintliche Straftäter später mittels speziell ausgebildeter Differenzierhunden überführen zu können. Inzwischen kursiert die Bezeichnung "Stasi 2.0", und der Bundesbeauftragte für den Datenschutz fragt in seinem jüngsten Buch besorgt, ob Deutschland sich auf dem Weg zum Überwachungsstaat befinde. Ob die neuen Sicherheitsgesetze eine Gefahr für die Demokratie darstellen, ob bald wieder eine flächendeckende Überwachung droht, oder dies nur notwendige Schritte zur Verteidigung der freiheitlichdemokratischen Grundordnung sind ? Diesen Fragen will die Veranstaltung nachgehen. Das eine Gleichsetzung der aktuellen Entwicklung mit der kommunistischen Geheimpolizei, dem Ministerium für Staatssicherheit, nicht funktioniert, sieht man allein schon daran, dass wir über die aktuelle Sicherheitspolitik offen und öffentlich diskutieren können. Dieser Vergleich bedeutet aber auch eine Bagatellisierung des Unrechtes, das im Namen der SED tausendfach durch die Stasi begangen wurde. Anlässlich des 18. Jahrestages der Besetzung der Leipziger Bezirksverwaltung für Staatssicherheit beteiligt sich das Bürgerkomitee Leipzig e.V. an der aktuellen Diskussion mit einer Veranstaltung. Der Verein erinnert jedes Jahr am 4. Dezember an einen der Höhepunkte der Friedlichen Revolution in Leipzig: Am 04.12.1989 besetzten Bürger im Anschluss an eine Montagsdemonstration die Bezirksverwaltung für Staatssicherheit, in der auch nach Mauerfall und Grenzöffnung weiter gearbeitet wurde. Sie legten die Arbeit des MfS lahm und stoppten die seit Wochen laufende Aktenvernichtung. In der Folge wurde die kommunistische Geheimpolizei, die bis dahin zum Schutz der SED-Diktatur tief in die Privatsphäre der Menschen eingegriffen hatte aufgelöst. Überwachung und Bespitzelung sollten ein für alle mal der Vergangenheit angehören. Noch in der Nacht zum 5. Dezember gründete sich das Bürgerkomitee, das in der Folge die Bezirksverwaltung auflöste und sich gleichzeitig als Mittler zur Öffentlichkeit verstand. Seit 1990 ist der Verein Träger der Gedenkstätte Museum in der "Runden Ecke".

DAS PROGRAMM

EINFÜHRUNGSVORTRAG

PROF. JOSEF ISENSEE, Professor für öffentliches Recht, Universität Bonn

PODIUMSGESPRÄCH

MICHAEL KONKEN, Vorsitzender des Deutschen Journalisten Verbandes

ANDREAS SCHURIG, sächsischer Datenschutzbeauftragter

PROF. JOSEPH ISENSEE, Professor für öffentliches Recht, Universität Bonn

DR CHRISTOPH BERGNER, Parlamentarischer Staatssekretär im

Bundesinnenministerium des Inneren (angefragt)

DR. KARSTEN RUDOLPH, Innenpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion

Nordrhein-Westfalen

MODERATION

HELMUTH FRAUENDORFER, Journalist des ARD-Magazins "FAKT"

NEUES AUF DEM GEBIET DER AUFARBEITUNG

VOR 20 JAHREN ? VOLKSKAMMER DER DDR SCHAFFTE AM 18. DEZEMBER 1987 OFFIZIELL DIE TODESSTRAFE AB

Schon im September 1987 hatte Erich Honecker international die Abschaffung der Todesstrafe in der DDR verkündet, doch rechtlich verbindlich wurde die Entscheidung erst im Dezember desselben Jahres. Am 18.12.1987, vor 20 Jahren also, beschloss die Volkskammer eine Änderung des Strafgesetzbuches, in dem nun nicht mehr der Tod, sondern lebenslanges Zuchthaus als höchstes Strafmaß vorgesehen war.

Schon mit Verabschiedung eines Staatsratsbeschlusses am 17.07.1987 hatte die SED-Führung die Todesstrafe als abgeschafft betrachtet. Ihr Ende stand im Zusammenhang mit Erich Honeckers Visite in Bonn bei Helmut Kohl im September 1987. Honecker wollte dieses erste deutsch-deutscheGipfeltreffen nutzen, um die internationale Anerkennung der DDR als eigenständigem Staat weiter auszubauen. Seinen Empfang wollte er als Ausweis der partnerschaftlichen Beziehungen zwischen zwei souveränen deutschen Staaten gewertet wissen. Die Abschaffung der Todesstrafe plante er als Zeichen des guten Willens und der Orientierung der DDR-Politik an völkerrechtlichen Vereinbarungen.

Laut DDR-Verfassung war zur Abschaffung der Todesstrafe ein Volkskammer-Beschluss nötig. Da dieser jedoch in der Kürze der Zeit nicht mehr herbeizuführen war, nutzte die SED eine Regelung in der DDR-Verfassung, laut der der Staatsrat Rechtsvorschriften in Form von Beschlüssen erlassen konnte. Im Gesetzblatt vom 17.07.1987 hieß es dann: "Der Staatsrat beschließt die Abschaffung der Todesstrafe in der DDR. Die dem entgegenstehenden gesetzlichen Bestimmungen sind ab sofort nicht mehr anzuwenden."

Die nötige Änderung des Strafgesetzbuches durch die Volkskammer kam erst Ende des Jahres 1987, lange nach dem Besuch Honeckers in der Bundesrepublik, zustande. So war die Abschaffung der Todesstrafe, mit der die fast 500-jährige Geschichte der Todesstrafe auf deutschem Boden endete, nach DDR-Recht verfassungswidrig gewesen.

Die zentrale Hinrichtungsstätte der DDR befand sich ab 1960 in der Leipziger Südvorstadt. In einem streng abgetrennten Teil der Strafvollzugseinrichtung Alfred-Kästner-Straße wurden alle im Land ausgesprochenen Todesurteile unter absoluter Geheimhaltung vollstreckt.Heutigen Erkenntnissen zufolge kamen hier 64 Menschen zu Tode.

In Leipzig fanden die Hinrichtungen zunächst mittels Guillotine statt. Ab 1968 wurden sie per unerwartetem Nahschuss ins Hinterhaupt vollzogen. Anwesend war jeweils nur ein kleiner Kreis eingeweihter Personen. Die Leichname brachte man zur Einäscherung ins Krematorium auf dem Leipziger Südfriedhof, wo sie anonym als "Anatomieleichen" verzeichnet und beigesetzt wurden.

Heute betreut das Bürgerkomitee Leipzig den historischen Ort und ist gemeinsam mit dem Sächsischen Staatsministerium der Justiz bemüht, hier dauerhaft einen Erinnerungsort zu schaffen. Momentan sind die historischen Räume nur zur Leipziger Museumsnacht im April und zum Tag des offenen Denkmals im September geöffnet. Im Museum in der "Runden Ecke" informiert ganzjährig eine kleine Werksausstellung über die Todesstrafe in der DDR und die Hinrichtungen in Leipzig.

Published in: Freiheit, Leipzig

Donnerstag, November 29, 2007

» Neues aus Caracas

By Norman at 6:09 PM

Kurz bevor sich Chávez als ewiger Herrscher installiert, führt der Diktator eine neue Zeitrechnung ein. Der Kölner Express fragt zu Recht: Ticken die noch richtig?! Chávez begründete seine Entscheidung unter anderem damit, dass die Vereinigten Staaten der Welt die Einteilung in Zeitzonen zu vollen Stunden auferlegt hätten. Neben allem anderen Unsinn ist auch das falsch: Ein weltweites Zeitzonensystem wurde zuerst 1879 vom kanadischen Eisenbahningenieur Sir Sandford Fleming (1827?1915) als Eisenbahnzeit vorgeschlagen. Dies führte nach einigen vorbereitenden internationalen Konferenzen auf der Internationalen Meridiankonferenz im Oktober 1884 in Washington, D. C. dazu, dass die Erde zunächst in 24 Stundenzonen von je 15 Längengraden aufgeteilt wurde. Die Differenz zwischen jeder Zone betrug damit 60 Minuten oder eine Stunde und somit 23 Stunden maximal zu der jeweils rückwärts gesehenen, ersten Zeitzone. Auf dieser Konferenz einigte man sich auf den 1883 zur Berechnung der Weltzeit festgesetzten Greenwich-Meridian als Nullmeridian.

Auch in Deutschland kann sich Chávez auf Getreue verlassen:

Die deutsche Linke nimmt sich Chávez als Vorbild

Am 2. Dezember lässt der venezolanische Präsident Hugo Chávez über eine Verfassungsänderung abstimmen. Damit will er seine Machtposition ausbauen und seine Wiederwahl ermöglichen. Obwohl Oppositionspolitiker von einem ?Staatsstreich" sprechen, wird Chávez von vielen Linken hierzulande weiterhin unterstützt.

Montag, November 26, 2007

» Säggssch und kulturvoll

By Dialog at 6:10 PM

Und da dachten Sie, nur Leipziger litten unter besonderer Geltungssucht. Denken Sie mal an Dresden. Das ist der Ort, der keine keine neue Elbquerung vollbringen kann und sich jetzt als der Weltkulturnabel sieht. Burkhard Müller-Ullrich hat auf der Achse den treffenden Kommentar zur neuesten Schote formuliert:

Sachsen macht Weltkultur (auf Konferenzen)

Kultur ? das ist doch dieses kommunikationslose Gebiet der Ausdrucksarmut. Kultur ist stumm und kalt und einsam. Kommt, laßt uns die Kultur erlösen und ihr die Chance geben, sich zu artikulieren. So ähnlich müssen ein paar Leute in Dresden und Umgebung gedacht haben, als sie den Plan faßten, ein Weltkulturforum zu gründen. Denn in Dresden gab es die Frauenkirche und die Semperoper und jede Menge Vergangenheit, aber noch kein Weltkulturforum. Das schmerzte sowohl den Präsidenten des Sächsischen Kultursenats als auch den Kuratoriumsvorsitzenden der um die Holzschnitzkunst verdienten Daetz-Stiftung in Sachsen, den Intendanten des Staatsschauspiels Dresden und den Berater des sächsischen Ministerpräsidenten Prinz Alexander von Sachsen. Sie alle gehören zum Gründerkreis jener sachsenhaften, pardon: sagenhaften Initiative, die an diesem Wochenende mit einem großen Kulturkongreß Gestalt annahm.

Im Hintergrund stand die Idee, so etwas Ähnliches wie das jährliche Stelldichein der internationalen Wirtschaft und Politik, das Weltwirtschaftsforum in Davos, zu veranstalten ? nur eben für die Kultur. Das hatte übrigens auch schon Klaus Schwab, der Gründer des Weltwirtschaftsforums, selbst probiert. Vor gut zwanzig Jahren hatte er Hunderte von Kultur-Promis zu einem dreitägigen Palaver nach Venedig eingeladen. Da saßen August Everding und Bazon Brock, Johannes Willms lernte Gabriele Henkel kennen, und das Wetter in Venedig war herrlich, doch der Kulturkongreß war superpeinlich. Denn wenn Kulturverantwortliche in den forciert-enthusiasmierten Managerjargon der Werbebranche verfallen, dann ist das noch schlimmer als die naiv-kulturelle Großsprecherei von Wirtschaftsführern.

Klugerweise ließ Schwab die Sache namens Weltkulturforum raschestens einschlafen, doch offenbar hat man davon in Dresden noch nie gehört. So kommt es, daß die Sachsen jetzt noch peinlichere Sätze in ihren Ankündigung schreiben: Das World Culture Forum wolle ?einen Bewußtseinsprozeß anstoßen, damit eine neue Lust der Menschen auf Kultur entsteht? ? so steht es wörtlich da. Und das "World Culture Forum will neue Möglichkeiten der Identifikationen mit der Vielfalt von Kultur anbieten."

Darauf hat die kulturell interessierte Welt zweifellos gewartet, daß eine Gesellschaft von sächsischen Adabeis einen Bewußtseinsprozeß anstößt und Möglichkeiten der Identifikation mit der Vielfalt anbietet. Geld scheint ja im Freistaat genügend vorhanden zu sein. Man braucht also gar nicht die Davoser Höhenluft zu atmen; man kann auch schon im Elbtal die Besinnung verlieren.

Published in:

Sonntag, November 25, 2007

» Barroso warnt vor Fundamentalismus im Kampf gegen Klimawandel

By Dialog at 6:03 PM

In einem Interview mit der"Bild am Sonntag" hat Kommissonspräsident Barroso vor "Fundamentalismus im Kampf gegen den Klimawandel" gewarnt. Wörtlich sagter er:

Müssen die Menschen ihren Lebensstil ändern?

Es ist wichtig, sparsam mit Energie umzugehen. Dank moderner Technologie bedeutet Energiesparen aber nicht automatisch Komfortverzicht. Wir wollen nicht zurück ins Mittelalter, wir wollen weiter Wachstum. Die Menschen sollen auch in Zukunft nicht auf Reisen verzichten. Wir sollten in Klimafragen jeden Fundamentalismus vermeiden. Es geht nicht darum, die Zehn Gebote neu zu schreiben. Sonst laufen wir Gefahr, dass die Menschen auch sinnvolle Klimapolitik ablehnen.

Was tun Sie privat für den Klimaschutz?

Ich mag es nicht, mich als Vorbild für irgendetwas darzustellen. Ich bin kein Priester und auch kein Moralapostel. Ich bemühe mich darum, politische Weichen zu stellen. Wenn wir uns anmaßen, den Leuten im Detail vorzuschreiben, wie sie privat zu leben haben, bekommt unsere Gesellschaft totalitäre Züge. Das will ich nicht.

Published in: Klimapanik

Freitag, November 23, 2007

» Die "Kundschafter" drehen auf

By Norman at 5:03 PM

Ungeachtet neuer Zeiten sind die "Kundschafter des Friedens" bestens organisiert. Die "Gesellschaft für rechtliche und humanitäre Hilfe", ein Veteranenverein der Staatssicherheit hatte in Zusammenarbeit mit der Universität Odense zu einer Konferenz nach Dänemark geladen. Die Junge Welt, das antisemitische Hetzblatt, welches noch immer in der DDR verlegt wird, wertete die Veranstaltung als "Spannendes Experiment" und "von Sachlichkeit geprägt", Die Bild brachte es dagegen auf den Punkt:

Sie bereuen nichts. Im Gegenteil. Unter dem Deckmantel der Wissenschaft trafen sich am Wochenende 60 ehemalige Stasi-Leute zu einer »Tagung« - im dänischen Odense. Völlig ungefiltert konnten die Exspione ihre Machenschaften als »erfolgreiche Arbeit zur Friedenssicherung« verteidigen. (...) Haarsträubend die Äußerungen des einstigen Stasi-Topspions Rainer Rupp, der die HVA bis 1990 mit NATO-Geheimnissen aus Brüssel beliefert hatte. Er schilderte sich als »Friedensbewahrer« und behauptete, daß westliche Geheimdienste »ganz aktuell weiter foltern, morden und putschen«.
Von der schauerlichen Veranstaltung gibt es Bildmaterial, das David Harnasch in seinem (neuen) TV-Blog aufbereitet hat.

Published in: Ideologien

» Gesponnen wird im Kleinen

By Dialog at 4:52 PM

In Leipzig hat sich um die regionale Umweltgruppe "Ökolöwe" ein wirres Bündnis von Klimapanikern gesammelt und eine "Klima-Alianz" gegründet. Dazu gehören u. a. der ADFC, Attac, der Eine Welt e. V. der NABU, UniSolar, VDC, Ökolöwe und das Evangelisch-Lutherischen Missionswerk. Gastgeber war der Pfarrer der Nikolaikirche Christian Führer, der schon den Konflikt in Nahost lösen wollte und dabei war und den Krieg gegen den Terror im Irak zu beenden. Gestern warnte er im Zusammenhang mit der Klimadebatte "dass endlich diese Beschwichtigungen aufhören.". Wir dürfen also im Rahmen Leipziger Selbstüberschätzung mit neuerlichen Friedensgebeten und Montagsdemonstrationen rechnen. Während die Montagsdemonstrationen im Oktober 1989 zur friedlichen Wende führten, demonstriert man seit Jahren für "Olympia in Leipzig", gegen Israel, gegen die "kriegtreiberischen Amerikaner", gegen "Hartz IV" und für und gegen alles, was der Linken aktuell nicht passt. Das Leiden geht weiter: Für den 8. Dezember (ausnahmsweise ein Donnerstag) plant das wirre Bündnis einen "Aktionstag".

Published in: Klimapanik, Leipzig

Donnerstag, November 22, 2007

» Putins Moralist

By Norman at 8:22 AM

Siggi hats gemalt: http://woldhek.nl/

Ex-Kanzler können Blumen züchten, Memoiren schreiben oder Vorträge halten. Gerhard Schröder dagegen macht sich zum russischen Interessenvertreter in Deutschland. Und mischt sich in unanständiger Weise in die Politik seiner Nachfolgerin Angela Merkel ein. Henryk M. Broder kommentiert gewohnt scharfzüngig unser Leid mit dem russischen Botschafter in Hannover

Published in: Freiheit, Scheinheiligkeiten

Dienstag, November 20, 2007

» Ein Kilo Fleisch verursacht 36 Kilogramm Kohlendioxid - Fleischfresser tritt Grünen bei

By Dialog at 11:33 AM

Vor vier Monaten wurde darauf hingewiesen, ein Kilo Fleisch verursache 36 Kilogramm Kohlendioxid. Jetzt zieht Armin Meiwes ? der "Kannibale von Rotenburg" eine erste Konsequenz und wird bei den Grünen aktiv.

Published in: Scheinheiligkeiten

Donnerstag, November 15, 2007

» Würden Sie Bianca einstellen?

By Norman at 1:18 PM

Als Personalberater ist man Ungemach in Arbeitswelten gewöhnt. Trotteligerweise hatte ich mich in Bonner Studientagen (Hängt!) im Portal Wer-Weiss-Was? als "Experte" in Bewerbungsfragen registriert und bekomme nun hin und wieder Anfragen. Heute kam die Frage von der "zornigen Bianca", die ihr Leiden sicher noch im GEZ-finanzierten Fernsehfunk ausbreiten wird. Bevor es soweit ist, möche ich Sie fragen: Würden Sie Bianca einstellen?

Liebe/-r wer-weiss-was Experte/-in,

Ich habe eine dringende Frage. Zum Sachverhalt: Und zwar hatte ich mich bereits im Juli bei einem Unternehmen initiativ beworben, d. h. es gab keine Ausschreibung o. Ä. Da ich monatelang keinerlei Rückmeldung des Unternehmens bekam, fragte ich nach Monaten also 2x per E-Mail nach, wie der Stand der Dinge ist ? vergeblich! Auch hierauf kam also keine Antwort, was ich schon eine Frechheit finde!!! Dann versuchte ich es vor Ort (da können die einen ja schlecht ohne eine Aussage wieder wegschicken), traf jedoch leider niemanden an.

Eine Hausewohnerin sagte mir dann jedoch, die Freundin des Geschäftsführers habe gleich um die Ecke einen Friseur-Salon. Ihr berichtete ich von meiner Bewerbung vor Monaten und dass keine Antwort erfolgte. Sie wollte ihren Freund fragen und mich dann anrufen? Ein Anruf blieb jedoch aus! Also schickte ich noch eine 3. E-Mail, in der ich um endlich eine Antwort bat. Am Nachmittag bekam ich dann endlich einen Anruf: Der Mann am anderen Ende machte mir Vorwürfe, dass ich mich überhaupt beworben hatte!!! Das muss man sich ?mal vorstellen. Seine Worte: ?Es hat Sie niemand gebeten, dass Sie uns Ihre Unterlagen schicken!? Da ich so lange keine Rückmeldung bekommen hatte, war für mich eh? schon klar, dass ich für solche unzuverlässigen Leute auch gar nicht arbeiten will. Aber wenigstens meine Unterlagen wollte ich zurück. Auf meine Frage, ob sie sie mir zuschicken oder ich sie abholen soll, kam die Antwort: ?Wir bekommen ständig von Leuten Initiativ-Bewerbungen. Die landen bei uns im Müll!? Ist das nicht ?ne Frechheit??? Ich bin, weiß Gott, freundlich und nett am Telefon, aber das war auch mir zu viel und ich sagte direkt, dass ich das nicht ok finde, schließlich hat mich das alles Geld gekostet!!! Und dass es doch kein Problem gewesen wäre, mich kurz zu informieren (eine E-Mail kostet schließlich nix), dann hätte ich die Unterlagen selbst abgeholt. Aber sie einfach so wegzuwerfen ?

sorry, aber das macht mich echt fertig. V. a. ist er der Erste, der mir ?nen Vorwurf macht, dass ich mich beworben habe. Die sollen froh sein, dass sich überhaupt jemand für die interessiert, oder nicht???

Nun meine Frage: Gern würde ich ein Gefühl der Genugtuung für mich (evtl. auch Rache!?)? Ich will mir das nicht einfach so gefallen lassen. Meinst du, ich solle noch ?mal versuchen, jemanden anzutreffen und noch ?mal nach meiner Mappe fragen? Denn die gute Mappe werden sie doch sicher nicht entsorgt haben, da man sie ja noch verwenden kann (ich vermute, nur der Lebenslauf, die Zeugnisse, mein Foto (!) etc. wurden vernichtet)? Kann ich die eigentlich auch anzeigen wegen so ?was? Wenn ja: wo und wie? Gruß, die zornige Bianca

Kleiner Nachtrag. Die Nachricht ist ungekürzt wiedergegeben und blieb selbstverständlich unbeantwortet.

Samstag, November 10, 2007

» "Das ist Öko-Diktatur"

By Norman at 3:01 PM

Bemerkenswert deutlich hat Václav Klaus die aktuelle (europäische) Klimapoltik kritisiert. So fragt die Wirtschaftswoche in ihrer aktuellen Ausgabe:

Sie sagen, Environmentalisten wie der ehemalige amerikanische Vizepräsident Al Gore bedrohten mit ihren Denkverboten die Freiheit. Mit dem Begriff der Freiheit argumentiert es sich leicht. Denn wer wäre nicht für die Freiheit? Was verstehen Sie eigentlich darunter?

Das lässt sich kaum in ein paar Sätzen beantworten. Ich meine sowohl die politische als auch die wirtschaftliche und wissenschaftliche Freiheit. Wichtig ist für mich, dass nichts vor dieser Freiheit stehen darf. Kommunismus war eine Variante dieser Ideologien, die etwas ?Heiliges? vor die Freiheit setzten. Environmentalismus folgt derselben Logik: Erst kommt das Klima, dann die Freiheit, dann die Prosperität. Solche Prioritäten sind falsch. Für mich ist die Freiheit ein wichtiger Wert. Wir Tschechen haben unsere eigenen Erfahrungen mit Unfreiheit gemacht. Wir reagieren auf die Bedrohung von Freiheit sensibel, vielleicht sogar übersensibel ? das können die Menschen in Westeuropa manchmal nicht so gut verstehen.

Published in: Ideologien, Klimapanik

Freitag, November 09, 2007

» Saufen für den Dschihad

By Dialog at 7:27 PM

Antje Sievers hat für die Achse einen Beitrag im Rolling Stone entdeckt: Wer schon meinte, so etwas wie Nazi-Punk wäre eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, wird nicht weiter überrascht sein, dass es jetzt obendrein Muslim-Punk gibt. Die Ramones werden sich im Grabe umdrehen Unter dem irreführenden Titel ?"Karawanen der Liebe"? erschien in der Novemberausgabe des deutschen Rolling Stone Magazins ein Artikel zu US-Bands mit Namen wie ?"Vote Hezbollah"?, ihren Songs wie ?Sharia law in The USA? und dem Textklau bei den Sex Pistols (?I am an islamist! And I am an anti-christ!?). Sie saufen literweise Bier, ohne sich anscheinend darüber klar zu sein, dass sie dafür dereinst in der Hölle schmoren werden!? Weiter hier und hier
Published in: Kultur

» Marcel Gauchet über den Staat als Dienstleister

By Dialog at 7:23 PM

Der französische Philosoph und Historiker Marcel Gauchet erklärt im Interview mit Elisabeth Lévy die Geringschätzung, die viele Menschen dem Staat entgegenbringen. "Ab dem Moment, in dem die Politik nur noch eine Infrastruktur darstellt, sieht man und respektiert man den Staat nicht mehr. Er ist nicht mehr das ehrwürdige kollektive Überich, sondern nur noch ein Dienstleister, den man zu teuer findet. Der Nation ergeht es ähnlich. Die Menschen verharren mehr denn je in ihrer nationalen Identität, aber nicht auf aggressive Weise, sondern ganz ruhig und selbstverständlich. Da sich ihre kollektive Identität ganz von alleine herstellt, nehmen sie sie gar nicht wahr. Unsere angeblich so kosmopolitische Welt ist bevölkert von Provinzlern, die in ihrer lokalen Identität verharren, während sie sich für Weltbürger halten, weil sie sich auf einen mächtigen Apparat stützen können, dessen Leistungen sie nicht sehen. Dieses Gefühl des Irrealen, das in Europa herrscht, kommt daher, dass unsere Gesellschaften ihre Fundamente und Funktionsweise nicht mehr kennen."
Published in: Altes Europa

» Ein "Museum des Zweiten Weltkriegs" in Warschau?

By Dialog at 7:19 PM

Als Gegenstück zu der geplanten Dauerausstellung in Berlin zum Thema Vertreibung schlägt der polnische Historiker Pawel Machcewicz ein "Museum des Zweiten Weltkriegs" in Warschau vor. Polen solle seine Blockadehaltung gegenüber der deutschen Initiative aufgeben und selbst aktiv werden - mit einem europäischen Projekt, das die Regierungen und Historiker anderer Länder einbezieht. "In einem solchen Museum, das es bis jetzt in Europa nicht gibt, wäre Platz, die Erfahrungen des Krieges vollständig zu erfassen, auch aus Perspektive der Völker, die den Totalitarismus erlitten haben - nicht nur den nationalsozialistischen, sondern auch den sowjetischen... Dieses Museum hätte seinen Sitz in Warschau, aber mit seinem europäischen oder zumindest internationalen Charakter könnte es manche in Vergessenheit geratene Ereignisse wieder wachrufen, wie den Ribbentrop-Molotow-Pakt, Katyn, die sowjetische Okkupation des Ostteils Polens und der baltischen Länder oder das Vorgehen der Roten Armee und des NKWD in den Jahren 1944-45." Gazeta Wyborcza (Polen)
Published in: Europa, Kultur

Mittwoch, November 07, 2007

» Sie, Frau Bundeskanzlerin, brechen mit dieser infamen und infantilen Äquidistanz

By Dialog at 11:31 AM

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist dem Leo-Baeck-Preis des Zentralrates ausgezeichnet worden. Warum Angela Merkel eine würdige Preisträgerin ist, hat Wolf Biermann in seiner Laudatio klargestellt:

Liebe Angela Merkel,
verehrte Bundeskanzlerin und gelernte Physikerin, soll heißen: gestandene Christin, promovierte FDJlerin und gut geratenes Kind der DDR ? und unterdes machen Sie auch noch eine Karriere als Kämpferin in dem, was Heinrich Heine in seinem Gedicht "Enfant Perdu" den ewigen Freiheitskrieg der Menschheit nannte ? mich freut, dass grade Sie mit dem Leo-Baeck-Preis ausgezeichnet werden. Dieser Preis schmückt Sie, denn er schmückt sich mit dem Namen des vielleicht deutschesten aller Rabbiner und gilt als die höchste Ehrung, die der Zentralrat der Juden in unserem Land zu vergeben hat. Ihnen die obligate Lobrede zu liefern, ist mir eine peinliche, soll heißen: schmerzhafte Ehre ? ja, Ehre sage ich und gebrauche dieses heikle Wort ohne ironisches Augenzwinkern ? etwa zur Besänftigung für mein links-alter-na-ives Klientel. Und schmerzhaft, denn ich bin ein geborener Linker, Sie sind eine geborene Rechte, Sie Christin, ich Atheist. Wir passen schön schlecht zusammen, und das macht die Konstellation interessant.
Weder Sie noch ich, kein Ei kann sich das Nest aussuchen, in dem es ausgebrütet wird. Sie sind die Tochter eines evangelischen Pfarrers, der in der DDR-Diktatur dem Kaiser gab, was des Kaisers ist. Aber wenn er Ihnen einen tiefen Glauben an den Christen-Gott eingepflanzt hat, dann ist seine Tochter Angela dem Gott der Juden noch näher als ich Sohn eines gottlosen Juden.

Hier, unter uns, in der paradoxen Intimität der Öffentlichkeit, lassen Sie mich in meiner Lobrede ungeniert Tacheles reden. Ich bin als Laudator heute eigentlich im Wortsinn gar kein Lobredner, sondern fast schon ein Bittsteller, bin für die lebenden und die toten Juden der Überbringer und Dolmetzsch einer Petition.

Als einzigen Juden unter den bisherigen Leo-Baeck-Preisträgern entdeckte ich den Schriftsteller Ralph Giordano, meinen versöhnungssüchtigen, aber dennoch streitbaren Freund, der grade in Köln gegen den Bau einer riesigen Moschee anreitet, wie einst Don Quichotte von La Mancha gegen eine Windmühle, die er für einen Riesen hielt. Wenn ich mir die lange Liste der Preisträger anschaue, dann lese ich fast ausschließlich die Namen von höchst einflussreichen Politikern in Deutschland.
Ich hoffe, Sie sehen mir das offene Wort nach: Mir kommt auch Ihre Auszeichnung heute mit dem Leo-Baeck-Preis vor wie eine Bitte um Beistand, ein Appell an Menschen in Deutschland, die Einfluss haben auf die Politik der Bundesrepublik gegenüber den Juden im eigenen Lande und gegenüber dem Staat der Juden im Nahen Osten. Der Leo-Baeck-Preis scheint also eine Auszeichnung zu sein, speziell gedacht für Deutsche, die man bei den Ostjuden ?a mensch" nennt, und "a mensch", das heißt, wenn man es aus der jiddischen Sprache ins Deutsche übersetzt, nicht etwa "ein Mensch", sondern bedeutet immer genau dies: "Ein guter Mensch".
Sie jedenfalls müssen weder ermahnt noch genötigt werden. Ihre Reden zum Nahostkonflikt, verehrte Bundeskanzlerin, hören sich in meinem Ohr nicht so sophisticated an wie die Ihres Vorgängers im Amte. Sie bewegen sich in bester Luther-Tradition. "Eure Rede aber sei: 'Ja, ja; nein, nein.'" Heilfroh war ich, als ich in diesen Tagen Ihr großes Interview in der Springer-Zeitung DIE WELT las. Ich habe mir die Stelle ausgeschnitten und in mein Arbeitsbuch geklebt wie einen babylonischen Talisman. Sie wurden da zitiert mit einem Statement zum Konflikt mit dem Iran. Nun habe ich es von der Bundeskanzlerin also schwarz auf weiß in meiner Kladde:
"Wir können die Augen vor einer Gefährdung nicht verschließen. Ich trete mit Nachdruck dafür ein, dass wir das Problem auf dem Verhandlungsweg lösen, aber dazu müssen wir auch bereit sein, weitere Sanktionen zu verhängen, wenn der Iran nicht einlenkt. Er bedroht die Sicherheit Israels, die für mich als deutsche Kanzlerin niemals verhandelbar ist. Er bedroht die Region, Europa und die Welt. Das müssen wir verhindern."

Und neben diesen Zeitungsschnipsel notierte ich mir: "Im Grunde alles Selbstverständlichkeiten, die aber leider gar nicht selbstverständlich sind." Die deutschen Exportinteressen auf dem arabischen Weltmarkt stehen auf dem Spiel! Die Abhängigkeit vom islamischen Öl lehrt uns das Fürchten! Und gleichzeitig fliegt der kleine Zar Wladimir Putin vom "date" mit der deutschen Bundeskanzlerin direkt von Berlin nach Teheran zu seinem Freund, dem kleinen Hitler A. (Ahmadinedschad), und verbündet sich demonstrativ mit diesem fanatischen Todfeind der Juden.
Unter uns: Ich halte Russlands Stabilisator Putin aus deutscher Sicht für höchst instabil, denn Gasmann Schröders lupenreiner Demokrat kopiert mit solch einer Liaison dangereuse seinen blutigen Vorgänger Stalin, als der sich mit Adolf Hitler 1939 ins Bett legte. Putin vereinbarte grade jetzt ungeniert weitere technische Hilfe und Lieferungen fürs iranische Atomprogramm und verspricht den Mullahs obendrein modernere Raketen, mit denen die Atomsprengköpfe, die der Iran bald haben wird, auch weit genug nach Israel und noch weiter nach Europa transportiert werden können. Und in der Uno sichert der gelernte Geheimdienstler das Milliardengeschäft ab durch sein Veto im Sicherheitsrat: eine perverse Form der Globalisierung. So absurd passieren die Tragödien der Weltgeschichte: Die blinden Helden führen ihr Schicksal herbei, indem sie es abzuwenden trachten.
Aber der grausame Gott des Zufalls wütet im Geschichtsprozess auch manchmal so verrückt, dass manches sich zum Guten wendet.
Sie, Angela Merkel, kommen mir vor wie solch ein gelungenes Zufallsprodukt der Weltgeschichte. Was 'ne wunderbar verdrehte Welt: Ausgerechnet das Menschenkind Angela aus dem Pfarrhaus, das prima Russisch gelernt hat in der DDR, wo kein normaler Schüler Russisch lernen wollte, redet nun Tacheles mit den Russen. Eine Frau, die die Gesetze der Physik studierte in einem Land, wo zwei mal zwei nicht vier sein durfte ? ausgerechnet sie bringt den Großkopfeten der Europäischen Union lebensklug wie eine erfahrene Grundschullehrerin das kleine Einmaleins der politischen Moral bei und dazu das große Einmaleins einer moralischen Politik. Ausgerechnet eine Frau aus der größten DDR der Welt zeigt den Machtmännern, dass unsere Erde tatsächlich immer kleiner wird, dass unser Planet in Bälde eine globale Dorfregierung braucht und dass also die verteufelte Globalisierung die einzige Chance für uns ist, als Menschheit womöglich noch ein paar Jahrtausende auf diesem Erdball durchs Universum zu rollen.

Warum hassen so viele Europäer dermaßen maßlos die Juden? Warum halten sie das bedrohte Israel, die einzige Demokratie in der arabischen Region, für den gefährlichsten Kriegstreiber in der Welt? Und woher kommt dieser hysterische Hass gegen die USA? Ich wüsste gern, verehrte Angela Merkel, Ihre Meinung.

Eine mögliche Antwort: Die Deutschen haben zwei verbrecherische Kriege vom Zaun gerissen und verloren, also ziehen sie daraus die dummschlaue Lehre: Pfoten weg! Ich kriegsgebranntes Kommunisten- und Judenkind war immer für den Frieden, konnte aber niemals ein Pazifist sein. Also hat es mein Herz gefreut, als ich las, was Sie zu diesem heiklen Thema öffentlich äußern: "Ein Blick zurück in unsere eigene Geschichte mahnt dazu, den Frieden als wertvolles Gut zu erhalten und alles zu tun, um kriegerische Auseinandersetzungen zu vermeiden. (...) Ein Blick in die gleiche Geschichte mahnt aber auch, dass ein falsch verstandener, radikaler Pazifismus ins Verhängnis führen kann und der Einsatz von Gewalt ? trotz des damit einhergehenden Leides ? in letzter Konsequenz unausweichlich sein kann, um noch größeres Übel zu verhindern.
Auch die jüngere europäische Geschichte zeigt, dass Krieg im Umgang mit Diktatoren zur ?Ultima Ratio' werden kann. (...) Beim Kosovo-Krieg hat eine 'coalition of the willing' durch den Einsatz von Gewalt noch größeres Leid (...) verhindert."
Ich vermute, dass alle Europäer, die Russen eingeschlossen, den USA einfach viel zu viel verdanken. Manchmal kommt es mir so vor, als ob der Mensch Untaten besser aushält als Wohltaten. Es klingt paradox ? aber wir alle wollen doch uns dankbar erweisen für unsere Retter. Der Mensch schämt sich aber und wird aggressiv vor allem dann, wenn er keine Chance sieht, sich jemals zu revanchieren. Ohne die heldenhafte Hilfe der USA hätte Hitler in Westeuropa und gegen Stalins Sowjetunion den Weltkrieg wahrscheinlich gewonnen.
Übermächtige Gründe zur Dankbarkeit machen womöglich auch die Völker seelenkrank. Und der Judenhass? Er ist so alt, so gediegen. Denken Sie an den genialen Luther als Todfeind der Juden. Ja, Opfer können wohl verzeihen. Aber die Juden werden vor allem gehasst wegen der Shoa, weil die Täter den Opfern niemals verzeihen können, was sie ihnen antaten. Sie, Frau Merkel, sind in diesem fatalen Zusammenhang etwas günstiger dran, weil Sie ? "in echt" ? die Gnade der späteren Geburt genießen und sich auch nicht etwa damit berühmen, dass Sie sich beknirschen.
Ihr verblüffender Aufstieg vom belächelten Ostmädchen des Kanzlers Kohl zu Schröders Fiasko und nun zu einer weltweit respektierten Frau hat, vermute ich, seinen Grund auch in Ihrer lehrreichen Erfahrung als Untertan in einem totalitären Regime, wie es die DDR war.
Wer von klein auf in einer totalitären Diktatur lebte, hasst die Freiheit, weil er sie fürchtet, oder er liebt sie mit umso größerer Inbrunst.
Ja, Sie sind ein Ostmensch, aber kamen mir nie wie ein "Ossi" vor. Sie sind eine Deutsche, die in keine West- oder Ost-Schublade reinpasst. Mit Verlaub, ich komme mir so ähnlich vor. Unsereins quält die Frage noch tiefer als einen geborenen Demokraten: Wo sind die Grenzen der Freiheit? Darf unsere Toleranz immer wieder so weit gehen, dass die Intoleranz triumphiert? Gelten Freiheitsrechte auch für Freiheitsfeinde?
Gut, das wäre die Freiheitsfrage ? wie aber steht es mit der Judenfrage. Auch diese Erfahrung haben Sie und ich gemein: Wir lebten in einem Staat, dessen Politik nach innen wie nach außen ein praktizierter Antisemitismus war, der allerdings so cool funktionierte wie bei Orwell im Roman "1984" die Neusprech-Sprache: Offiziell wurde den Bürgern jeglicher Antisemitismus verboten, aber als Antizionismus umgetauft war der Judenhass Staatsdoktrin nach innen und außen. Das Ministerium für Staatssicherheit unter Mielke und Markus Wolf baute dem fanatischen Todfeind Israels, einem der eifrigsten Endlöser der Judenfrage, Jassir Arafat, seine diversen untereinander abgeschottet verschachtelten Geheimdienste auf.

Wer den Nahen Osten kennt, der weiß: Wenn die Araber endlich ihre Waffen niederlegen, wird es dort keinen Krieg mehr geben. Wenn aber Israel die Waffen niederlegt, wird es kein Israel mehr geben.

Viele Europäer neigen dazu, Juden und Araber als Streithähne zu sehen, als Raufbolde, die man mit der Rute der Vernunft zur Räson bringen muss. Den Israelis wird raffinierte Hinterlist unterstellt, und den Arabern eine aufbrausende Unmündigkeit.
Sie, Frau Bundeskanzlerin, brechen mit dieser infamen und infantilen Äquidistanz. Als ich mir Ihre Statements zu Israel anschaute, fand ich ein Wort, das mich berührte:
"Wir haben erst spät gelernt ? und ich sage das für mich auch persönlich ? wie unermesslich viel Deutschland durch die Shoa verloren hat und wie viel Liebe deutscher Juden zu diesem Land unerwidert geblieben ist."
Einer von den Juden, die zu Deutschland eine dermaßen tragisch unerwiderte Liebe hatten, war der Rabbiner Leo Baeck. Ja, er war das Musterexemplar eines extrem deutschen Juden. Er liebte Deutschland "über alles". Und er verkörperte alle deutschen Tugenden, für die die Juden aus Deutschland in Israel bis heute von den lebensklügeren Ostjuden und von den lebenslustigen sephardischen Juden bewundert werden und belächelt und verspottet. So preußisch korrekt, so pflichtbewusst, so pünktlich, so penibel, dermaßen gutbürgerlich und ordnungsliebend bis über den Rand der Lebensdummheit waren nur diese Juden aus Deutschland.
Wäre Leo Baeck bei seinem Besuch noch im Jahre 1936 in Palästina geblieben, dann hätte man ihn dort in Erez Israel als einen dieser typischen "Jekke"-Juden angesehen. Er kehrte von der kurzen Reise aber zurück ins faschistische Deutschland, weil er zweitens so extrem deutsch war, und erstens, weil er sich als Seelsorger und als väterlicher Helfer in größter Not den Juden im deutschen Vaterland verpflichtet fühlte.
Auch als er 1939 die Gelegenheit hatte, zu Verhandlungen nach London zu reisen, brachte er sich dort nicht in Sicherheit, sondern kehrte zu seinen Leidensgenossen in die Mördergrube Deutschland zurück. Er organisierte die Rettung von jüdischen Kindern ins Ausland, verhandelte mit der Gestapo, besorgte Pässe, Genehmigungen, soziale Hilfe und Geld.
So kam es, dass Leo Baeck 1943 als Nummer 187894 deportiert wurde ins KZ Theresienstadt, ein sogenanntes Sonder-
oder auch Vorzugs-KZ in der Nähe von Prag, wo die Juden massenhaft starben an Hunger und Krankheiten und von wo die Menschen zur Vergasung nach Auschwitz in Güterzüge gepfercht wurden. Ein Wunder: Im KZ Theresienstadt gehörte der Greis Leo Baeck am Tag der Befreiung zu den Überlebenden. Und ich glaube, er überlebte nur, weil er den Todgeweihten dort mit stoischer Disziplin und treudeutscher Innigkeit die Werke von Goethe und Immanuel Kant und Gottes Thora predigte.

Ja, dieser Leo Baeck war der Typ eines national gesinnten Patrioten. Von meinem Freund, dem Historiker des jüdischen Widerstandes in der Nazizeit, von Professor Arno Lustiger in Frankfurt am Main, weiß ich, dass Leo Baeck freiwillig in den Ersten Weltkrieg zog. Als Frontrabbiner ritt er furchtlos bis zu den vordersten Schützengräben und betreute seelsorgerisch das jüdische Kanonenfutter: deutsche Soldaten, die dort für Kaiser und Vaterland in den sinnlosen Tod gingen. Es wird vom Namenspatron des Preises, der Ihnen heute übergeben wird, berichtet, dass er in letzter Minute vor seinem Abtransport ins KZ, als auch er 1943 die Schlüssel seiner Wohnung und eine vollständige Liste mit dem Inventar an Büchern, Möbeln, Geschirr, Wertsachen und Sparbücher und Bargeld hatte abgeben müssen, noch schnell vorher seine letzte Gasrechnung bezahlt hat.
Es gab vor einiger Zeit Streit um eine Studie, an der Leo Baeck gearbeitet hat, eine Auftragsarbeit der Gestapo des Reichssicherheitshauptamtes. Er arbeitete von 1938 bis 1941 an dieser Schrift: "Die Entwicklung der Rechtsstellung der deutschen Juden in Europa, vornehmlich Deutschland." Nach dem Ende des Krieges hatte Leo Baeck gelogen, dies sei eine wissenschaftliche Arbeit gewesen, die er im Auftrage rechtskonservativer Nazigegner (also im Auftrage des in Plötzensee hingerichteten deutschnationalen Widerständlers Friedrich Goerdeler) verfasst habe.
Hannah Arendt schimpfte ihn "the Führer of the german jews". Dass Hannah Arendt den Rabbiner Beck im englischen Text als "Führer" schmähte, zeigt den Grad der Erbitterung in dem Streit um die herzzerreißende Frage: Waren solche Leute wie etwa auch der Vorsitzende des Judenrates im Warschauer Getto, der Ingenieur Adam Tschernjakow, Kollaborateure der Nazis oder nicht?
Soweit die Forschung inzwischen weiß ? und soweit ich es beurteilen kann ?, war der Rabbiner Leo Baeck ganz und gar kein jüdischer Hund Hitlers. Im Gegenteil, er war ein Deutscher, der sein Land und seine Kultur liebte und der also doppelt, nämlich als verfolgter Jude und als deutscher Patriot, die Nazis hasste und verachtete und der jede Form des Widerstandes wagte, die ihm möglich war.
Verehrte Angela Merkel, ich kann Sie ohne Falsch so nennen, denn es ehrt Sie, dass Sie sich so behutsam und beharrlich einmischen in dem Konflikt der beiden Söhne des Stammvaters Abraham: Ismael und Isaak. Diese Halbbrüder gelten als die Urväter der arabischen Völker und des Volkes der Juden. Seit Jahrtausenden liegen sie im Familienstreit. Und dieser Bruderkrieg wird länger dauern, als wir dauern.
Es ist unsere mühselige und notwendige und zuverlässig undankbare Aufgabe, den Juden und den Arabern zu helfen. Wir können mildern, wir sollen vermitteln, aber nicht als Quacksalber der Weltgeschichte Wunderkuren verordnen. Bei Gelegenheit will ich Ihnen ein neues Lied vorsingen über genau diesen heillosen Familienkrieg im Nahen Osten, da heißt es am Schluss:
Roter Mond über Banyuls sur Mer...
? wir alle sind ja reingezogen
in den Krieg
Der beiden Söhne aus dem
Samen Abrahams
Couplet
Das sind Tragödien der andern Art
Da hilft kein gut gemeinter Rat
Da hilft kein Treueschwur
Kein frommer Fluch
Kein kluggeschissnes
Friedens-Buch
Da hilft kein Aufschrei in der Welt
Kein feige abgedrücktes Geld
(Schon gaanich Biermann
seine Gedichte)
Konflikte dieser Kategorie
Für die gibt's keine Lösung. Nie!
Die haben nur eine Geschichte

Ergänzend dazu die Vorlesung an der Universität Haifa "Deutschland verrät Israel", veröffentlicht in der ZEIT

Anzeige
suademus

Nutzen Sie bei Ihren Vakanzen aus den Bereichen Medizintechnik, Medizinsystemen, Pharma und im Gesundheitswesen die Dienste einer professionellen Personalberatung. suademus rekrutiert im Wege der Personalvermittlung, der anzeigengestützen Personalsuche und der Direktansprache (Headhunting)