» Die Verdreher der Kulturzeit bei 3sat
By Norman at 1:33 PM
Der Kulturzeit auf 3sat mit wohlwollendem Interesse zu folgen ist
bisweilen nicht ganz einfach. In der Regel wöchentlich werden
antisemitische Klischees bedient, die Terroranschläge des 11. September
werden schon mal "Flugzeugabstürze"
genannt und noch regelmäßiger werden Ansichten verdreht. Zuletzt
geschehen in der Sendung vom 10.09.2007. Ralph Giordano wurde als
ätzende Nervensäge dargestellt, der gegen Burka und Tschador wettere.
Geistgeich resümierte Ernst A. Grandits: "So
wie es einen Antisemitismus ohne Juden gibt, gibt es einen
Antiislamismus ohne Moslems." Aufklärung tut daher Not:
Ralph
Giordano: Nicht die Moschee, der Islam ist das Problem!
Mitkämpferinnen
und Mitkämpfer ? deutsche, muslimische und andere, welcher ethnischen
Herkunft auch immer!
Dies an den Anfang, in alle Ohren, die hören können, urbi et orbi ?
erstens: Falls sich Anhänger der ?Pro-Köln?-Partei hierher verirrt haben
sollten, können sie sich kategorisch aufgefordert fühlen, den Schauplatz
auf das Schnellste zu verlassen und sich dahin zu verfügen, wo Rassisten,
Ausländerfeinde, Neo- und Altnazis gehören ? auf den Kehrichthaufen der
Geschichte! Ich komme auf diese parasitären ?Bundesgenossen? im Verlaufe
meiner Rede noch zurück ? so leicht wollen wir diese falschen Fuffziger
für ihre braunen Anschleimungsversuche nicht davonkommen lassen. Zweitens:
Hier ist kein Haufen von Türkenschrecks zusammengekommen, keine Horde von
Anti-Muslim-Gurus, und zum Bürgerkrieg ist auch nicht aufgerufen worden.
Wir sind hier angetreten, um auf ein schwer wiegendes Problem der
deutschen Innen- und Außenpolitik hinzuweisen, das seit Jahrzehnten
regierungsübergreifend von den Politikern unter der Decke gehalten,
geleugnet, verdrängt oder geschönt worden ist: auf das instabile
Verhältnis zwischen Mehrheitsgesellschaft und muslimischer Minderheit,
vorwiegend türkischen Ursprungs. Es rührt an die Grundfesten unserer
demokratischen Gesellschaft. Noch war der erste Pulverdampf des Kampfes um
den Bau einer zentralen Großmoschee in Köln-Ehrenfeld nicht ganz
verflogen, da meldete sich auch schon eine spezifische Furcht von
bundesweiten Ausmaßen ? die Furcht vor einer schleichenden Islamisierung
unseres Landes. Sie ist nur zu begründet ? lokal, national und
international. Mein öffentlicher Vorstoß gegen den Bau der Moschee vom 11.
Mai 2007 in einem vom ?Kölner Stadtanzeiger?? initiierten Streitgespräch
mit einem Funktionär der DITIB hatte offenbar vielen aus der Seele
gesprochen. Anders ist die geradezu sturzflutartige Medienlawine nicht zu
erklären, die aufdeckte, wie virulent, überall gegenwärtig und hoch
bewusst da etwas vor sich hingeschwelt hat, was von der Politikerklasse
über Jahrzehnte hin regierungsübergreifend sträflich verdrängt, hartnäckig
geleugnet und immer wieder geschönt worden ist. In hunderten und
aberhunderten von Briefen, Faxen und Telefonaten an mich hieß es, so
einheitlich wie bestürzend: ?Wir stehen hinter Ihrer Kritik, wagen aber
nicht, es auszusprechen, weil wir dann in die falsche, die neonazistische
Ecke gestellt werden, wo wir nicht hingehören?? Auf der ganzen Linie also
Triumph des niederträchtigsten aller niederträchtigen Totschlagargumente
der ?political correctness?: ?Wer gegen die Moschee ist oder am Islam
Kritik übt, und das laut sagt, besorgt die Sache der Nazis von heute.?
Genau in diese Ecke sollen auch unsere Veranstaltung, ihre Organisatoren
und ihre Redner gestellt werden, genau damit sollten auch wir erpresst
werden. Darauf eine klare, unmissverständliche Antwort: Man braucht,
verdammt noch mal, kein Überlebender des Holocaust zu sein, um mit
bürgerlichem Selbstbewusstsein deutschen Diffamierungsversuchen und
muslimischer Drohung couragiert die Stirn zu bieten (sage ich, der gerade
im Fadenkreuz beider steht). Ein Wort zu meinem persönlichen Strauß mit
?Pro Köln?. Als die vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestufte
Partei mich mit der Losung ?Giordano auf Pro-Köln-Kurs? zu vereinnahmen
suchte, nannte ich sie ?die lokale Variante des zeitgenössischen
Nationalsozialismus, die, wenn sie könnte, wie sie wollte, mich in eine
Gaskammer sperren würde.? Was die braune Truppe veranlasste, mit einem
Verfahren zu drohen, dem ich, falls es zustande käme, mit freudiger
Erregung entgegensehe. An meiner politischen Charakteristik jedenfalls hat
sich nichts geändert.
Zur lokalen Dimension Der wahre Bauherr
der zentralen Großmoschee in Köln-Ehrenfeld ist, über ihren verlängerten
Arm DITIB, die Religionsbehörde Dyanet in Ankara. Dort ist das Projekt
ausgeheckt worden, für mich von Anfang an ein Zeichen der Landnahme auf
fremdem Territorium, das Symbol einer integrationsfeindlichen
Identitätsbewahrung, eine Kriegserklärung. Das einzig Gute an diesem einen
verräterischen Schritt zu weit nach vorn: das durch Fehleinschätzung der
Reaktionen unfreiwillige Bekenntnis zu den wahren Absichten hinter der
Fassade. Sollte der Bau in seiner jetzigen Gigantomanie tatsächlich
hochgezogen werden, so geschähe das gegen den erklärten Willen einer nicht
unbeträchtlichen Bevölkerungsmehrheit.
Zur nationalen
Dimension Vor uns liegt der Scherbenhaufen einer Immigrationspolitik,
die sich zäh geweigert hat, Deutschland zu einem Einwanderungsland zu
erklären und es mit den entsprechenden Gesetzen und Regularien
auszustatten. Über Jahrzehnte hin gab es deutscherseits nichts als
Hilflosigkeit, Konfliktscheue und falsche Toleranz, das ganze Arsenal
gutmenschlicher ?Umarmer?: verinnerlichte Defensive christlicherseits bei
den sogenannten ?interreligiösen Dialogen?; verheerende Nachsicht der
Justiz bei Straftaten, bis in den Versuch, Teile der Scharia in die
deutsche Rechtsprechung einzuspeisen; überängstliches Vorgehen und
wehrloses Wegschauen von Polizei und Verfassungsschutz auf dem Gebiet der
Sicherheitspolitik; beängstigende Reserve gegenüber islamischen
Organisationen, die den Terror unterstützen, wie auch gegenüber Plänen für
eine schleichende Umwandlung westlicher Staaten in eine islamische
Staatsform. Hier ein paar Zitate aus einigen der unzähligen Briefe
gleichen Tenors: ?Ich bin entsetzt über Politiker der 68er Generation, die
in meinen Augen blauäugig und in falschem weich gespülten Toleranzgebaren
einer hoch aggressiven Religion die Hand reicht, ohne die Dynamik dieser
Glaubensgemeinschaft einschätzen zu können.? Eine andere: ?Ich bin
entsetzt über Politiker, die sich auch aus intellektueller Bequemlichkeit
weigern, eine entschiedene Auseinandersetzung mit islamischen Vertretern
zu führen.? Und eine dritte: ?Mir macht der Islam erhebliche Angst,
besonders als Frau stößt mich diese Religion mit ihrem autoritären
patriarchalischen Ehrbegriff ab. Mehr Angst aber noch machen mir
Politiker, die ihre Denkmuster von Toleranz und Antirassismus heute nicht
einer Neudefinition unterziehen. Nur wenige ihrer Vertreter sind in der
Lage, die intellektuellen Wertmesser ihrer Jugend in Frage zu stellen.?
Die hartnäckigen Versäumnisse hatten nach dem Zustrom vorwiegend
türkischer ?Gastarbeiter? der 60er und 70er Jahre eine gewaltige
Zuwanderungswelle zur Folge gehabt. Was dann nahezu unkontrolliert und in
philanthropischer Furcht vor dem Stempel ?Ausländerfeindlichkeit?
nachströmte, waren Millionen von Menschen aus einer gänzlich anderen
Kultur, die in nichts den völlig berechtigten Eigennutzinteressen des
Aufnahmelandes entsprachen, ohne jede Qualifikation waren und nur bedingt
integrationsfähig und -willig. Und dazu gewaltige Belastungen der
Sozialkassen. Das Ergebnis im Spiegelbild der Gegenwart: 40% der
türkischen Jugendlichen sind, primär bedingt durch mangelnde
Sprachkenntnisse, ohne Schulabschluss, also beruflich und sozial
ausgegrenzt. Was heißt, dass die Sprachdefizite vor allem der Mütter
inzwischen in die dritte Generation der Kinder weitergegeben worden sind,
ohne dass eine Änderung dieser Situation in Sicht ist. Zumal nach wie vor
den weiblichen Mitgliedern eines religiös dominierten Kulturkreises die
Teilnahme am sozialen Leben der deutschsprachigen Mehrheit versagt bleibt.
Erschreckenderweise deuten viele Anzeichen darauf bin, dass die dritte
Generation islamischer denkt als ihre Eltern und Großeltern und dass ein
Teil von ihnen anfälliger ist für radikale Ideen als diese. Nicht dass es
keine Beispiele gelungener Einordnung in die Mehrheitsgesellschaft gäbe ?
es gibt sie. Nur ? exemplarisch werden sie auch dadurch nicht, dass
türkische Verbände immer wieder versuchen, die Ausnahme zur Norm zu
erklären. Die erste, unbequeme und für beide Seiten schmerzhafte Wahrheit
ist: Die Integration ist gescheitert! Und die ?Parallelgesellschaften?
sind der deprimierende Ausweis dafür. Es sind türkische Kritikerinnen und
Kritiker, die uns authentisch berichtet haben von einem Alltag der
Unterdrückung, der Abschottung, der Ausbeutung, der Zwangsehe und der
Gefangenschaft muslimischer Frauen und Mädchen als Norm, bis hinein in die
namenlose Perversität der so genannten ?Ehrenmorde?. Wir müssen lernen,
die Dinge beim Namen zu nennen, sowohl was die deutschen Defizite im
Verhältnis von Mehrheitsgesellschaft und muslimischer Minderheit betrifft,
als auch die nicht hinnehmbaren Akte von türkischer Gewaltkultur,
Nationalismus, Fundamentalismus und öffentlichem Siegergebaren mit der
Drohung demografischer Expansion. Der Stand der Dinge zwischen
Mehrheitsgesellschaft und muslimischer Minderheit ist ungefestigt. Es
gehört nicht viel Fantasie dazu, sich auszumalen, was sein würde, wenn die
beiden von Muslimen gelegten Kofferbomben in Köln gezündet hätten, mit
vielen Toten und Verletzten. Es bleibt nichts als die Hoffnung, dass
dieser Fall nicht eintritt. Denn erreichte uns der Terror ohne sichtbare
Fortschritte bei der Integration, würden der Republik Erschütterungen von
bisher unbekannten Ausmaßen ins Haus stehen. So wenig, wie die muslimische
Minderheit unter Generalverdacht gestellt werden kann, so wenig kann ihr
ein Blankoscheck für Wohlverhalten überreicht werden. Wenn ihre Mehrheit
denn ein friedliches Leben will (und davon ist auszugehen), so wäre sie
gut beraten, das unmissverständlich zu bekunden, und zwar so oft die Lage
es erfordert. Solche Proteste hat es gegeben, keineswegs aber schon in der
Lautstärke, die die Voraussetzung für ihre Glaubwürdigkeit wäre. Lassen
Sie mich noch ein Wort sagen zu der höchst zwielichtigen Rolle der
geradezu inflationär emporschießenden türkisch-muslimischen
Migrantenverbände in Deutschland, allen voran die am Tropf der türkischen
Religionsbehörde Diyanet hängende DITIB, die Türkisch Islamische Union der
Anstalten für Religion e.V. Obwohl sie dauernd ihre Treue zum Grundgesetz
beteuert, hielte ihr vorgegebenes laizistisches Islamverständnis einer
näheren Prüfung nicht stand. Türkische Kritiker halten sie für von
radikalnationalistischen Organisationen unterwandert und nennen
Querverbindungen zu Verbänden und Parteien, die statt auf Integration auf
kulturelle Identitätsbewahrung der Immigranten und ihrer Nachkommen
hinarbeiten. Dazu wird bekannt, dass DITIB-Imame eine Sonderausbildung
erhalten, die den Völkermord an den Armeniern 1915/16 im
türkisch-osmanischen Reich zu einem ?Mythos? erklärt ? ?Auschwitz Lüge?
auf Türkisch. Was wissen wir von der Tätigkeit der vielen zugewanderten
international-islamistisch orientierten Funktionsträger innerhalb der
nicht mehr zu zählenden Verbände? Und wie ehrlich können denn Bekenntnisse
zu den Prinzipien der säkularen Demokratie sein, wenn es doch die Taqiyya
gibt ? also die ausdrücklich religiös sanktionierte Erlaubnis zu Täuschung
und Verstellung in der Auseinandersetzung mit ?Ungläubigen?? Nirgendwo bin
ich auf mehr Unfähigkeit zu Selbstreflexion, zu Selbstkritik und
Selbstironie gestoßen als in diesen Kreisen, dafür aber auf einen
Dauerzustand nervösen Beleidigtseins, das seine Sensibilitäten zur letzten
Instanz machen will. Buchstäblich rot sehe ich auch, wenn die DITIB und
andere Verbände wieder einmal penetrant auf Religionsfreiheit pochen ?
womit ich die Religionsfreiheit hier nicht aufgehoben wissen will, wohl
aber darauf hinweise, um wie viel glaubwürdiger diese Berufung wäre, wenn
auch nur die kleinsten parallelen Bemühungen für Religionsfreiheit in der
Türkei erkennbar sein würden. Sie sind es nicht. Da wird ein Prinzip
sichtbar, das über allen Aktivitäten muslimischer Verbände steht,
eingeschlossen den ?Zentralrat der Muslime in Deutschland? (ZDM) oder die
?Islamische Gemeinschaft in Deutschland? (IGD): zu fordern, fordern,
fordern, ohne jeden Sinn für eine Bringschuld.
Zur dritten, der
internationalen Dimension Die unbequemste, ja, bedrohlichste Frage
unter all den unbequemen und bedrohlichen Fragen lautet: Ist der Islam
reformierbar, modernisierbar? Sind er und die Scharia, das islamische
?Rechtssystem?, in Übereinstimmung zu bringen mit Demokratie,
Menschenrechten, Meinungsfreiheit, Pluralismus und, dies die
Schlüsselfrage überhaupt, Gleichstellung der Geschlechter? Fragen, die den
Islam auf den Prüfstand der Geschichte stellen ? und die
überraschenderweise am negativsten von kritischen Muslimen selbst
beantwortet werden. Und das so punktgenau und tabulos, wie es kein
Europäer oder Amerikaner je auszusprechen wagen würde ? Zitat: ?Kaum ein
islamischer Geistlicher, geschweige denn ein frommer Laie ist willens und
in der Lage, das Kernproblem in der Denkstruktur des eigenen Glaubens zu
sehen. Sie sind nicht bereit zur kritischen Analyse der eigenen Tradition,
zu einer schonungslosen Gegenüberstellung ihres Glaubens mit der
Lebenswirklichkeit in modernen Gesellschaften.? So der große türkische
Lyriker Zafer Senocak. Was sind Salman Rushdies ?Satanische Verse? gegen
diese Analyse, die die Lehre und Praxis des muslimischen Glaubens
schonungslos als die eigentliche Quelle der enormen Schwierigkeiten des
Islams bei seinem Versuch einer Anpassung an die Moderne vorführt, also
eigene Übel zum wahren Ursprung des Terrors erklärt und die
Säkularisierung des Islam zur Voraussetzung einer Zukunft macht? Ein
riesiger, revolutionsüberreifer Teil der Menschheit, die Ummah, die
globale Gemeinschaft der Muslime, so differenziert sie in sich ist, droht
an ihrer eigenen Rückständigkeit zu ersticken. Richtig, die Türkei bietet
eine Ausnahme, aber was den Grundkonflikt anbetrifft, Islam und Moderne,
steckt sie mitten in dem. Wenn es denn stimmen sollte, dass es einen
Unterschied zwischen Islam und Islamismus gibt (was wiederum gerade
Muslime bestreiten), dann sollte der Islam bemüht sein, den Unterschied
glaubhaft zu machen. Denn wenn das nicht geschieht, kann er bald schon
identifiziert werden mit einer Bewegung, die das Zeug zum Totalitarismus
des 21. Jahrhunderts in sich trägt. Die Merkmale anhand gegebener
historischer Vergleichmöglichkeiten sind alarmierend genug, bis hinein in
das erklärte Ziel des politischen Islam: ?Umsturz der gottlosen
Regierungen des Westens und ihre Ersetzung durch islamische Herrschaft.?
Ich glaube nicht daran, dass diese wahnsinnigen Fiktionen Wirklichkeit
werden könnten. Aber auch über ihren Versuch schon könnte die Welt
zuschanden werden, und nicht nur die islamische. Dieser Kampf ist in
vollem Gange ? und Europa, Deutschland stecken mittendrin. Deutschland
wird sich an den Gedanken gewöhnen müssen, dass Integration auch weiterhin
ein Wunschbild bleiben wird, Mehrheitsgesellschaft und muslimische
Minderheit aber dennoch miteinander auskommen müssen. Von allen
Geschichtsbildern ist dies das wahrscheinlichste. Es schließt individuelle
Integration nicht aus, versagt sich aber einer kollektiven Einordnung.
Oberstes Gebot: Gewaltlosigkeit! Und zum Schluss, noch einmal: Ich bin
kein Türkenschreck, kein Anti-Muslim-Guru, ich habe nicht zum Bürgerkrieg
aufgerufen. Ich habe lediglich im Interesse beider Seiten mitgeholfen, ein
verdrängtes, hochexplosives Thema deutscher Innenpolitik in das
öffentliche Bewusstsein zu befördern. Ich werde also auch weiterhin auf
meiner kulturellen Selbstbestimmung beharren, auf einer Lebensform, die
die meine ist und in mannigfacher Hinsicht mit der islamischen nicht
übereinstimmt. Ich werde mich auch weiter abgestoßen fühlen durch
verhüllte Frauen, wobei sich meine Abscheu nicht gegen die Frauen richtet,
sondern ein religiös dominiertes Patriarchat und seine Verwalter. Auch
werde ich meine Ansicht von Meinungsfreiheit nicht einem Ungeist anpassen,
der sie so auslegt: ?Alle haben das Recht, ihre Meinung frei auf eine
Weise auszudrücken, die der Scharia nicht zuwiderläuft.? Nein und dreimal
nein! Ich will sagen dürfen, dass ich die Scharia, das Gesetz des Islam,
für notorisch grundgesetzwidrig halte, für einen skandalösen
Anachronismus, das Fossil einer überholten geistesgeschichtlichen Epoche
und ein schweres Hindernis auf dem Wege zur Reformierung und
Modernisierung des Islam. Sie wird von mir genau so selbstverständlich in
die kritische Methode einbezogen wie der Koran, die Biographie Mohammeds
und das Alte und das Neue Testament. All das und mehr will ich sagen,
schreiben und denken dürfen ? offizielle Fatwa-Drohung hin, inoffizielle
her. Und das unter der Überschrift:
Nicht die Moschee, der Islam ist das Problem!
Wo sind wir denn, dass wir uns überlegen müssten, ob unser Tun und Handeln
radikaler Muslimen gefällt oder nicht? Wo sind wir denn, dass wir uns in
vorauseilendem Gehorsam von religiösen und anderen Fanatikern vorschreiben
ließen, was wir veröffentlichen dürfen und was nicht? Wo sind wir denn,
dass wir in die Knie gehen vor jenen offenbar jederzeit abrufbaren Zorn-
und Empörungskollektiven zwischen Kairo und Bali, die der Streit um die
dänischen ?Mohammed?-Karikaturen uns so drastisch vorgeführt bat? Wie
lange sollen wir noch stramm stehen vor Traditionen, Sitten und
Gebräuchen, die jede Kritik in Beleidigung umfälschen, selbst aber höchst
verschwenderisch mit Verbalinjurien gegen Andersdenkende zur Hand ist? Ich
wehre mich gegen ein Erpresserpotenzial, das uns unter islamischer
Beobachtung halten will und seine Tentakeln von Zentral- und Vorderasien
bis in die Mitte Europas ausgeworfen hat, mit dem Motto: ?Wer nicht
kuscht, der lebt gefährlich!? Ich werde mir aber auch weiterhin von der
Seele schreiben, was dabei ist, mich auf meine späten Tage das Fürchten zu
lehren: der politische, der militante Islam und seine Funktionsträger, die
grüne Blauäugigkeit deutscher ?Umarmer? und die Sirenentöne der
professionellen Taqqiyyah-Rhetoriker. Und zum Schluss ein Wort an Kölns
politische Spitze, die sich mit einer Überheblichkeit sondergleichen über
den immer deutlicher artikulierten Protest einer großen Bevölkerungsgruppe
hinweggesetzt hat und sich dabei nicht entblödete, mit den verschämten
Korrekturen an der nach wie vor Groß-Moschee nichts als architektonische
Kosmetik zu betreiben. Wenn es denn wahr ist, dass auch diese Moschee als
eine Fatih-Moschee geplant war, also wie viele andere in Deutschland nach
einem osmanischen Eroberer benannt werden sollte, dieses Vorhaben nun aber
nach der stürmischen Gegenwehr zurückgenommen würde, so bestätigt sich
damit nur eine Taktik der Anpassung, die nichts von der ursprünglichen
Absicht dahinter wegnähme: mehr Macht, mehr Einfluss ? schleichende
Islamisierung. Ich kann deshalb zum Schluss meiner Rede nur noch einmal an
den Oberbürgermeister der Stadt Köln und die befürwortenden Stadträte
appellieren, den Bau in Ehrenfeld zu stornieren. Zwischen Hinterhof- und
Großmoschee gäbe es viele Abstufungen ohne den Abschreckungseffekt, den
der Reißbrettentwurf hervorgerufen hat. Wenn es denn der Preis sein
sollte, ohne Schmusekurs in diesem Konflikt Freunde zu verlieren und
persönlich bedroht zu werden, dann bin ich bereit, ihn zu zahlen. Und das,
wie bisher, weiter an der Seite so tapferer Frauen wie Necla Kelek, Arzu
Toker, Emine Özdamar, Seyran Ates, Ayaan Hirsi Ali und aller anderen,
aller anderen friedlichen Muslimas und Muslime!