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Donnerstag, Januar 10, 2008
» Strickmuster und Folgen der Bescheuertheit
By Dialog at 10:00 AM
Bescheuertheit ist ein Syndrom, das es nicht nur sozusagen naturwüchsig in Politik und Gesellschaft gibt, sondern das mittlerweile "wissenschaftlich" ausgearbeitet wird, beispielsweise als Gendertheorie. (Über das EU-Recht kehrt sie dann als "Gender-Mainstreaming" zurück.) Der Bescheuerte leidet nicht an seiner kognitiven Schmalspur, schließlich kämpft er heldenhaft für die neue Ordnung; und da ihm Werte wie "Emanzipation" und "Selbstverwirklichung" gegen jede Manipulation gefeit scheinen, besitzt er ein notorisch gutes Gewissen, worin ihn die Bescheuertheitsgemeinschaft bestärkt: Wir müssen uns den Bescheuerten als glücklichen Menschen vorstellen.
Bescheuertheit ist ein Syndrom. Es kennzeichnet einen bestimmten Typus von Menschen sowie Zustände, die durch solche Menschen bestimmt werden. Bescheuertheit hat durchdringende Kraft. Wo sie an der Macht ist oder die Ordnungsdeutungen großer Bevölkerungsgruppen dominiert, kann sie ganze Gesellschaften verwüsten. Woraus ist sie zusammengesetzt? Ein Grundelement ist das Double-Bind, Beziehungsfallen also, in denen jede mögliche Reaktion negativ sanktioniert wird und der Betroffene die Zwickmühle weder durch Metakommunikation noch durch Verlassen des Handlungsfeldes auflösen kann. Ein Beispiel ist die Schwiegermutter, die der Frau ihres Sohnes zum Geburtstag zwei Pullover schenkt. Als sie sich einige Wochen später erneut zu Besuch ankündigt, zieht die Schwiegertochter einen davon an. Noch vor der Begrüßung herrscht die Schwiegermutter sie an: "Der andere gefällt dir wohl nicht!"
Bescheuertheit ist eine Methode, die Dinge von vornherein so einzurichten, dass man, was auch immer geschieht, niemals irren kann. Trifft das Unheil ein, ist man bestätigt; bleibt es aus, hat man erfolgreich gewarnt. Ich erinnere mich an eine Talkshow aus Anlass eines Jahrestages von Tschernobyl. Darin erregte sich die Vertreterin einer Bürgerinitiative, die horrende Verantwortungslosigkeit der Politiker und Atomlobby zeige sich ja bereits daran, dass es für den Fall eines Super-GAU keinerlei Vorsorge oder Evakuierungspläne gebe. Als nun einer der Angesprochenen protestierte und darauf hinwies, dass man natürlich auch für einen solchen Fall Katastrophenpläne bereithalte, fuhr sie ihm erneut in die Parade und wertete dies als Eingeständnis der Unglaubwürdigkeit aller Versicherungen, eine Katastrophe wie die von Tschernobyl sei in Deutschland ausgeschlossen. Sowohl die Existenz als auch die Nichtexistenz von Katastrophenplänen ? beides waren für sie klare Belege der Verantwortungslosigkeit.
Rainer Paris hat sich wiederholt und konkret im Merkur mit Bescheuertheit auseinandergesetzt.
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